www.algerien-heute.com

  • Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size

Demütigigung der algerischen Arbeiter durch Ölgesellschaften in Tiguentourine: Eine Ursache für den Aufstand der Arbeitslosen im Süden

E-Mail Drucken PDF
Benutzerbewertung: / 0
SchwachPerfekt 

Tiguentourine DZDie zahlreichen nationalen und internationalen Medienberichte und Informationen über den Terrorangriff auf die Gasförderanlage von Tiguentourine in In Amenas haben die jungen arbeitslosen Algerier im Süden mehr als überzeugt, dass die Algerier kein Recht am Reichtum des Südens, Öl und Gas haben, sondern die ausländischen Ölgesellschaften und ihre ausländische Mitarbeiter.

Die Wut und die Enttäuschung der Jugendlichen über die ungerechte Verteilung dieses Reichtums hat sie zu heftigen Demonstrationen in diesen Tagen in mehreren Städten des algerischen Südens gebracht.

Auf einmal, nach dem Angriff auf Tiguentourine entdeckten und erkannten Hunderttausende von Menschen im algerischen Süden, dass ausländische Ölgesellschaften Tausende von ausländischen Arbeitnehmern, nicht Algeriern, auf ihren Öl- und Gasfeldern und in ihren Basen im Süden beschäftigen, mehr als 20 Prozent der Bauarbeiter sind ausländischer Herkunft. Die meisten von ihnen kann man problemlos und ohne Verlust durch algerische Arbeiter ersetzen. Jetzt, nach Tiguentourine ist es klar geworden, dass diese ausländischen Ölgesellschaften eine Art '' Staat im Staat'' und eine Art 'Autorität über die algerische Macht'' sind.

Ein algerischer Sicherheitsingenieur im Industriebereich, Herr Bessais Abdel Khalek, erklärte gegenüber der algerischen Tageszeitung El Khabar: "Ich habe in der Gasförderanlage von Tiguentourine gearbeitet, mit mir waren mehr als 150 ausländische Ingenieure aus ca. 30 Ländern beschäftigt... Inder, Australier, Japaner, Franzosen, Amerikaner etc. Die meisten von ihnen hätte man ohne Weiteres durch algerische Ingenieure, Techniker und Facharbeiter ersetzen können. Aber die Ölgesellschaften wollten das nicht und handelten nach ihren eigenen internen Gesetzen."

 "Knitrah'' ... Das meistgehandelte Begriff in Cafés des Südens in Algerien
In den ölreichen Gebieten im Süden Algeriens, in den Cafés von Hassi Messaoud und In Amenas, tauschen die arbeitslosen Jugendlichen Tag für Tag ihre eigenen Begrifflichkeiten und Slang-Wörter aus, "Knitrah oula Oualou?" oder "Kensch Knitrah?". "Knitrah" ist die "Verniedlichung" (Verkleinerung) des französischen Begriffs "Contract" (=Vertrag) und bedeutet in diesem Kontext "Mini-Arbeitsvertrag". "Knitrah oula Oualou?" bedeutet demnach (sinnesgemäß): "Hast du einen Mini-Arbeitsvertrag?" und "Kensch Knitrah?" heisst "Gibt es ein Mini-Arbeitsvertrag?".
Jeden Abend, in den Cafés in der Nähe des Bahnhofs in Hassi Messaoud, hört man diese Worte aus dem Mund der armen Arbeitslosen und Arbeitssuchenden in der algerischen Hauptstadt des schwarzen Goldes, Öl.
Jeden Morgen strömen zahlreiche Arbeitssuchende in diese Stadt und hoffen auf einen Mini-Job, obwohl sie ganz genau wissen, dass, für sie, eine Arbeitsstelle bei der Sonatrach, bei der Muttergesellschaft, beim algerischen Energiekonzern, faktisch unmöglich ist, und obwohl sie auch, die Tatsache ganz genau kennen, dass alle offenen Stellen in dieser Firma den Familienangehörigen von einflussreichen Beamten und von denjenigen, die Macht über das Land Algerien haben, vorbehalten sind. Seit Anfang der 90er Jahre hat Sonatrach die direkte Einstellung von Mitarbeitern eingestellt und diese wichtige Aufgabe an private Arbeitsvermittlungsfirmen ("Sklavenhändler") geoutsourced. Daher ist es unmöglich einen Arbeitsplatz bei Sonatrach zu bekommen.

Der Mitglied des Ausschusses für den Schutz der Rechte der algerischen Arbeitslose, Herr Ahmed Sidi sagte: ''Der Algerier in Hassi Messaoud wird wie ein Bettler oder ein Ausländer behandelt, genauso wie ein ausländischer Arbeitssuchende aus Italien oder Spanien ... Und vor 2004, dem Tag der ersten Proteste in Ouargla, wurde jede Person verhaftet, die nicht beweisen kann, dass sie in der Öl-Hauptstadt wohnt oder nicht ein Einreiseerlaubnis für Hassi Messaoud besitzt und mit sich trägt. Diese Demütigung der algerischen Bürger wurde mit den damaligen Sicherheitsmaßnahmen in Algerien in den neunziger Jahren gerechtfertigt, die bis zum heutigen Tag geblieben und gültig sind und angewendet werden."

Die Arbeitsvermittlungsfirmen sind Sklavenhändler mit rechtlicher Genehmigung

Das Komitee für die Verteidigung der Menschenrechte und der Rechte der Arbeitslosen bestätigt der algerischen Zeitung El Khabar, dass die Arbeitsvermittlungsunternehmen, wie z. B. ''Pat'', ''Tim Petroleum'' und ''Isco Sarl'', algerische arbeitssuchende Menschen an Sonatrach nach dem Model des Sklavenhandels, nach dem Prinzip des Meistbietenden vermieten. Nach Ansicht der Kommission für den Schutz der Rechte der Arbeitslosen wurde die Regierungsanweisung vom 14. März 2004, die von dem damaligen Premierminister Ahmed Ouyahia unterzeichnet wurde, die diese Art der Arbeitsvermittlung verbietet, bis heute nicht umgesetzt. Denn diese Unternehmen vermitteln die Arbeitskraft von Menschen in Hassi Messaoud immer noch nach den alten rechtswidrigen und kriminellen Methoden, die ganz einfach mit einem einzigen Wort, ''Sklaverei'' erklärt werden können.

Nach amtlichen algerischen Berichten wurde bestätigt, dass einige ausländische Arbeitsvermittlungsfirmen mehrfach ausländische Arbeiter eingestellt haben, die in Algerien als Tourist waren. Nach den Angaben von Mitgliedern des Ausschusses für den Schutz der Rechte der Arbeitslosen ist es unmöglich, sich vorzustellen, wie viel Missbrauch in den Bereichen der Beschäftigung bei den Erdölgesellschaften stattfindet. Die meisten vermittelten Arbeiter sind illegal und sind nicht bei den Renten-, Sozial- und Versicherungsbehörden gemeldet. Die Rekrutierung passiert immer unter der Hand im Geheimen.

Diese Unternehmen verlangen von einfachen Arbeitern vor deren Einstellung eine Reihe von Spezifikationen und Anforderungen und führen mit ihnen Einstellungstests, die im Gesetz ausdrücklich verboten sind. Die zuverlässigen Quellen von El-Khabar sprechen von extrem harten Arbeitsbedingungen unter denen Tausende von jungen Algerierinnen und Algeriern bei vielen inländischen und ausländischen Firmen tätig sind, die mit Sonatrach vertraglich verbunden sind. In diesem komplexen Geflecht zwischen diesen Unternehmen, Subunternehmen und Arbeitsvermittlungsfirmen gibt es die unterschiedlichsten Handhabungen von Verträgen und Arbeitsbedingungen, die absolut nichts mit der Würde des Menschen vereinbar sind.

Die menschenunwürdige Arbeitsbedingungen bei vielen ausländischen Unternehmen und Subunternehmen bestätigen die Aussagen von Herrn Aouali Abdul Salam, ein ehemaliger Arbeiter Versorgungsgesellschaft (Essen etc.), die im Bereich von Hassi R'Mel in der Wilaya Laghouat: ''Wenn ein Mitarbeiter nach seinem Status seiner sozialen Sicherheit fragt, wird er sofort entlassen und gleich zum Zentrum der Stadt gebracht."

Noch seltsamer ist die Tatsache, dass es Unternehmen gibt, die Busse an Sonatrach für 2 Millionen Centims pro Tag vermieten, während der Busfahrer, der mehr als 21 Stunden pro Tag arbeitet, nur 51 Tausend Dinar pro Monat verdient (1 Dinar = 100 Centims). Dabei werden die Busfahrer von dubiosen Arbeitsvermittlungsfirmen regelmäßig ausgetauscht. Diese Ausbeutung und Versklavung von Menschen wird seit Jahren praxiziert ohne, dass die algerischen Behörden, bis heute eingegriffen haben.

...Fortsetzung folgt

Dedicated Cloud Hosting for your business with Joomla ready to go. Launch your online home with CloudAccess.net.